Fernwärme für die Innenstadt: Zielfahne in Sicht

Anhänger auf dem Schulhof der Hansjakobschule wird das Wasser aufbereitet, bevor es ins Rohrnetz für die Fernwärme eingeleitet werden kann.
Anhänger auf dem Schulhof der Hansjakobschule wird das Wasser aufbereitet, bevor es ins Rohrnetz für die Fernwärme eingeleitet werden kann. (Foto: Maria Philipps)

In der Herrenstraße finalisieren die Stadtwerke Rastatt aktuell den neuen Abschnitt im Fernwärmenetz für die Innenstadt. Auf der rund 900 Meter langen Strecke wird die neue Fernwärmeleitung mit rund 30.000 Litern speziell aufbereitetem Wasser befüllt, über die die Wärme künftig zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert wird. Dreh- und Angelpunkt des rund einwöchigen Prozederes ist der Schulhof der Hansjakobschule, wo sich das Stadtwerke-Team mit einem technischen Anhänger postiert hat. Projektleiter Michael Young berichtet: „Wir brauchen Starkstrom und einen großen Wasseranschluss. Beides haben wir im Schulgebäude. Im Anhänger befinden sich vier Umkehrosmose-Anlagen. Damit bereiten wir das Trinkwasser zu Betriebswasser für die Fernwärme auf, denn bevor das Wasser in die neuen Fernleitungen eingebracht werden kann, muss es technisch aufwendig aufbereitet werden. So verhindern wir beispielsweise, dass sich in den Rohren und den Übergabestationen Salz ablagert und sich sogenannter Kesselstein bildet. Ein solcher Belag würde mit der Zeit die Rohre verstopfen und die Wärmeübertragung verhindern“, erklärt Michael Young. Um das Rohrnetz mit dem aufbereiteten Wasser zu befüllen, erzeugen die Stadtwerke Rastatt darin ein Vakuum. So stellt der Versorger sicher, dass später keine Entlüftung der Leitungen erforderlich ist. „Die Vakuumpumpe ist im Keller der Schule, sie arbeitet praktisch wie ein großer Staubsauger“, zieht der Projektleiter einen Vergleich.

Bevor das Kulturforum, die Stadtbibliothek und das Ludwig-Wilhelm-Gymnasium im Dezember als erste kommunale Gebäude an den neuen Netzabschnitt angeschlossen werden können, kümmern sich die Stadtwerke Rastatt noch um den Einbau der Übergabestation sowie der Wärmezähler. Wenn die witterungsabhängigen Arbeiten in der Herrenstraße fertig sind, steht der nächste Bauabschnitt an: Dieser reicht dann von der Lyzeum Straße bis zur Kreuzung an der Ludwigsfeste. Anschließend geht es in der Engelstraße weiter. Parallel zum nächsten Bauabschnitt starten die Stadtwerke Rastatt im Dezember auch mit den Arbeiten an der Überquerung am Schlosspark.

Fernwärmeausbau als Rückgrat für ein klimaneutrales Rastatt
Den Stadtwerken Rastatt ist es ein Anliegen, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen, welche zentrale Rolle der Ausbau des örtlichen Fernwärmenetzes für die Wärmewende, den Klimaschutz und die zukünftige Lebensqualität in der Barockstadt spielt. Bis 2040 soll die Wärmeversorgung in Baden-Württemberg klimaneutral sein, weg von fossilen Brennstoffen wie Erdgas und Erdöl, um schädliche Treibhausgasemissionen zu senken, hin zum effizienten Einsatz von erneuerbaren Energien. „Mit mehr Fernwärme können wir diese Ziele erreichen und einen großen Schritt in eine nachhaltige und zukunftsfähige Art des Heizens machen“, appelliert Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt. „Weil wir hier in Rastatt mit rund 30 Kilometern Leitungsnetz schon gut vorgelegt haben, ist das Potenzial besonders groß“, informiert er weiter und betont: „Ich kann den Unmut über Baustellen und Verkehrsbeeinträchtigungen nachvollziehen. Dennoch bitte ich die Menschen in Rastatt um Geduld. Der Fernwärmeausbau ist eine Maßnahme für mehr Klimaschutz – eine Aufgabe, die wir als Gesellschaft nur gemeinsam schaffen, die uns aber auch allen zugutekommt.“

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